Foto einer PV-Anlage auf einem Industriegebäude in NRW, im Hintergrund ein rot leuchtender Sonnenuntergang

3/4 aller Module auffällig: Was ein Mängelgutachten sichtbar macht

Wir bauen in Deutschland so viel Photovoltaik wie nie zuvor – ein Erfolg, der aber auch Schattenseiten hinsichtlich der Qualität produziert.

Das ist eine Beobachtung, die sich in unserer täglichen Gutachterpraxis immer wieder bestätigt. Immer mehr Hersteller, immer mehr Errichter, immer neue Vorgaben – bei gleichzeitiger Intransparenz und fehlender Kontrolle.

Und immer häufiger: gravierende Mängel an Anlagen, die erst kürzlich errichtet wurden.

Dieser Fall aus 2025 illustriert das besonders eindrücklich.

Eine Aufdachanlage in NRW – und eine erschreckende Bilanz


Was zuerst nach einer Photovoltaikanlage aus dem Lehrbuch aussah (wie das Titelbild zeigt), entpuppte sich für einen Anlagenbetreiber aus NRW als echtes Horrorszenario.

Auf dem Flachdach eines Gewerbegebäudes wurde Anfang 2024 eine PV-Anlage mit einer Nennleistung von rund 462 kWp errichtet. Keine Kleinanlage – eine gewerbliche Investition, von der der Betreiber jahrelang profitieren wollte.

Doch bereits vor Inbetriebnahme entdeckte dieser bei einer Besichtigung offensichtliche Mängel: Einige Modulreihen hatten sich sichtlich verschoben, ein Modul hatte sich sogar vollständig aus der Unterkonstruktion gelöst und das Foliendach des Gebäudes beschädigt.


Kurz darauf wurde die PV³ mit einem Mängelgutachten beauftragt, um kritische Fragen zu beantworten:

  • Liegen an der PV-Anlage weitere Mängel vor?
  • Was sind die Ursachen für alle Mängel?
  • Welche Maßnahmen sind erforderlich, um die Mängel fachgerecht zu beseitigen?



Bei einer ersten Sichtprüfung durch unseren zertifizierten Gutachter bestätigte sich, dass zahlreiche Modulreihen verschoben waren. Um das gesamte Ausmaß des Schadens zu bewerten, entschied sich unser Team im nächsten Schritt für eine Elektrolumineszenz-Messung aller 1.128 Module.

Die Messung: Drei von vier Modulen auffällig


Eine Elektrolumineszenz-Messung (kurz: EL) ist ein Bildgebungsverfahren und ermöglicht die Detektion von nicht sichtbaren Mikrorissen, die zu Zell- und Modulschäden und letztendlich zu Ertragseinbußen führen.

Bei einer ersten Messung im Februar 2025 war mehr als jedes zweite Modul auffällig. Bei einer Nachkontrolle ein halbes Jahr später waren es dann bereits drei von vier Modulen.

Die Auffälligkeiten reichten von inaktiven Mikrorissen über aktive Mikrorisse bis hin zu inaktiven Zellen oder Modulbereichen – der schwerste Befund.

Während inaktive Mikrorisse zunächst keinen oder nur geringen Einfluss auf die Leistung haben, sind aktive Mikrorisse bereits elektrisch isoliert und inaktive Zellen leisten keinen Beitrag mehr zur Gesamtleistung des Moduls.

Aufnahme einer Elektrolumineszenz-Messung, auf der mehrere defekte Zellen und Mikrorisse im Bereich der Modulklemme zu sehen sind


Die obige EL-Aufnahme zeigt direkt mehrere Fehlerbilder in einem Modul: Aktive Mikrorisse (links & rechts) und eine inaktive Zelle (schwarzer Bereich in der Mitte). Alle ausgehend von der Position der Modulklemme.

Sie sind an weiteren Details zu diesem Messverfahren interessiert? Lesen Sie hier mehr zu unseren Elektrolumineszenz-Messungen.

Und was war die Ursache der Defekte?


Die detaillierte Begutachtung der Anlage in Kombination mit den EL-Messungen lieferten klare Antworten zu Lasten des Errichters:

1. Ein Teil der Mikrorisse entstand mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits bei der Installation, durch Hinknien auf die Module oder unsachgemäße Handhabung während der Montage. Leider ein typisches Fehlerbild bei EL-Messungen.


2. Das noch gravierendere Problem lag in der fehlerhaften Montage der Unterkonstruktion. Denn entgegen den Herstellerangaben wurde diese durch zusätzliche Querschienen versteift.

Normalerweise muss eine PV-Anlage etwas Spielraum für Bewegung liefern, um beispielsweise thermische Ausdehnung zu verkraften. Doch da dieser Spielraum fehlte, verbog sich bei den ersten sommerlichen Temperaturen die gesamte Unterkonstruktion und die Modulreihen wanderten unkontrolliert.

Dieser Effekt war besonders deutlich am Dachrand zu erkennen, an welchem die Reihen eigentlich bündig abschließen sollten.


Durch diese Wanderungen erhöhte sich im Bereich der Modulklemmen die mechanische Belastung auf die Solarmodule. Daher tauchten die meisten Mikrorisse im Bereich der Modulklemmen auf, wie auch bei dem oben erwähnten Beispiel.

So ließ sich auch der Anstieg an Mikrorissen bei der zweiten EL-Messung erklären, denn die mechanische Belastung nahm mit der Zeit immer weiter zu.

Ein extremes Beispiel für diese Wanderungen zeigt auch das folgende Bild einer Klemme, die sich komplett vom Modul gelöst hatte:

Nahaufnahme eines Solarmoduls, bei dem die Modulklemme sich soweit verschoben hat, dass sie keinen Kontakt mehr zum Modul hat



Folglich war die Anlage nicht durch einen Sturm beschädigt worden, auch nicht durch einen Materialfehler des Herstellers – sondern durch handwerkliche Fehler bei der Montage. Fehler, die sich hätten vermeiden lassen.

Und Fehler, die ohne Gutachten vielleicht lange unbemerkt geblieben wären.

Warum das kein Einzelfall ist


Unser Geschäftsführer, der seit 2012 als Sachverständiger für Photovoltaikanlagen tätig ist, brachte es im April 2026 auf der jährlichen Fachtagung des Bundestechnologiezentrums für Elektro- und Informationstechnik (BFE) auf den Punkt:

„Die Schattenseite des PV-Booms ist eine wachsende Unwissenheit bei Herstellern, Errichtern und Planern – mit realen Folgen für die Qualität der installierten Anlagen.“

Folgen, die wir beinahe täglich in unseren Gutachten für Photovoltaikanlagen wiederfinden.

Die Konsequenz daraus ist eindeutig: Wer als Betreiber einer gewerblichen PV-Anlage blind darauf vertraut, dass schon alles in Ordnung sei, geht ein Risiko ein. Ein Risiko, das sich in Ertragseinbußen und schlimmstenfalls in Schäden an Anlage und Gebäude niederschlägt.

Was ein Mängelgutachten leistet und wann es sinnvoll ist


Ein Mängelgutachten durch einen zertifizierten Sachverständigen prüft den Zustand einer PV-Anlage systematisch und unabhängig.

Je nach Fragestellung kommen dabei individuelle Ansätze und Messverfahren zum Einsatz – in diesem Fall die Elektrolumineszenz-Messung, die als einzige Methode Mikrorisse auf Zellebene sichtbar macht.

Das Ergebnis ist ein fachlich fundiertes Dokument das Mängel benennt, mögliche Ursachen einordnet und konkrete Handlungsempfehlungen gibt – als Grundlage für Nachbesserungen, Gewährleistungsansprüche oder Gespräche mit der Versicherung.

Bei Interesse finden Sie hier weitere Informationen: Gutachten für Photovoltaikanlagen

Besonders wichtig: Ein Mängelgutachten muss nicht erst im Krisenfall in Auftrag gegeben werden, wie es im oben genannten Beispiel der Fall war. Die sinnvollsten Zeitpunkte sind oft präventiv – vor Ablauf der Gewährleistungsfrist des Installationsbetriebs, nach einem Betreiberwechsel, oder wenn das Monitoring Auffälligkeiten zeigt, die sich nicht eindeutig erklären lassen.


Fazit: Hinschauen lohnt sich – je früher, desto besser


Dreiviertel aller Module auffällig. Bei einer neuen PV-Anlage, die noch nicht einen Euro Ertrag geliefert hatte.

Nach über zwei Jahren hat der Horror für unseren Anlagenbetreiber aus NRW noch immer kein endgültiges Ende gefunden. Zwar hat inzwischen ein anderer Errichter die Unterkonstruktion fachgerecht umgebaut und alle defekten Module ausgetauscht – doch bisher auf Kosten des Betreibers.

Ein Gerichtsverfahren läuft und es bleibt zu hoffen, dass dieser seine berechtigten Ansprüche gegenüber dem ursprünglichen Errichter durchsetzen kann.






Wer als gewerblicher PV-Betreiber Planbarkeit und Ertragssicherheit will, kommt an einer unabhängigen Prüfung nicht vorbei. Nicht, weil immer etwas falsch läuft – sondern weil man es ohne Gutachten meist nicht wissen kann.

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